in eigener Sache:

 

 

Wie geht es mit dem Folk-Club weiter?

Sieben Fragen und Sechs Antworten

 

Ist die Entscheidung, zum Ende des Jahres den Konzertbetrieb in der Scheuer einzustellen endgültig?

Ja. In der derzeitigen Situation macht es für uns keinen Sinn weitere Konzerte in der Scheuer zu planen. Dass sich die Situation ändert, in dem die Stadtverwaltung Möglichkeiten schafft, auch Konzerte nach 22:00 Uhr zu genehmigen, dürfte utopisch sein.

 

Kann der Folk-Club nicht einfach auf die lauten Konzerte verzichten? Folk ist doch keine so laute Musikrichtung wie Heavy-Metal oder Punk?

Nein, leider nicht. Es stimmt zwar, ca. 80 Prozent der Konzerte, welche der Folk-Club veranstaltet, sind nicht so laut, dass ihre Lautstärke die gesetzlichen Grenzwerte im angrenzenden Wohngebiet überschreitet. Und meistens enden sie auch gegen 22:00 Uhr. Leider sind es aber diese Konzerte, die defizitär sind. Der Folk-Club erhält von der Stadt nur einen minimalen Barzuschuss von 2.800,– Euro im Jahr. Das sind nur etwa 100,– pro Konzert. Wir betreiben daher eine Art Mischfinanzierung, bei der größere, lautere „Stehkonzerte“ Freitags oder Samstags die defizitären, leiseren, kleineren Konzerte, die meist an Wochentagen stattfinden, mitfinanzieren.

 

Warum kann der Folk-Club nicht in das neue Jugendkulturzentrum umziehen?

Gegenüber dem Schwarzwälder Bote sagte Renate Breuning, die Vorsitzende der CDU-Fraktion im Gemeinderat: "Wir erwarten von den Jugendlichen, dass sie zum Klosterhof kommen, dann werden Erwachsene es doch erst recht schaffen". Natürlich würden sie das, viele unserer Gäste fahren auch jetzt schon zu Konzerten in Rottweil oder Tuttlingen. Oft sogar bis nach Zürich, Stuttgart oder Freiburg, wo es noch ähnliche Clubs wie den Villinger Folk-Club gibt. Und sicher werden sie das auch weiterhin tun – insbesondere, wenn es in Villingen keinen solchen Club mehr gibt.

Dennoch ist diese Aussage ein gutes Beispiel für ein weit verbreitetes grundsätzliches Missverständnis über das Wesen eines Clubs wie unseren. Kultur ist ist extrem vielfältig und nicht jedes Angebot kann an jedem beliebigen Ort stattfinden. Kulturveranstaltungen und die Orte an denen sie stattfinden sind oft über Jahre gewachsen und haben ihre eigenen Traditionen, ihre besondere Atmosphäre und ihr eigenes „Mikro-Klima“. Werden sie „umgetopft“, sollte dies mit Bedacht und im Bewusstsein dieser Besonderheiten geschehen. Warum wird die neue Neckarhalle im Schwenninger Zentrum gebaut und nicht im neuen Gewerbegebiet Salzgrube? Dort wäre sicher sehr viel mehr Platz und der Baugrund billiger. Warum kann eine „Städtische Galerie“ nicht eben so gut in einem Ladenlokal im „Schwarzwald-Baar-Center“ ansässig sein wie in einer historischen Villa im Zentrum? Das Jugendkulturzentrum entsteht als neuer Ort für Veranstaltungen, die bisher unter anderem in einer ehemaligen Motocross-Halle stattfanden, die ebenfalls in einem Gewerbegebiet lag.

Aber es gibt auch noch einen weiteren, wesentlichen Grund: Der Folk-Club ist ein Club. Wir veranstalten „Club-Konzerte“. Das Jugendkulturzentrum wird eine Halle. Dies ist ein gewaltiger Unterschied; ihn zu verkennen, zeugt von einem Unverständnis der Besonderheiten einer vielfältigen Kulturszene. Durch einen Umzug von einem Club mit etwa 80 Sitzplätzen in eine Halle mit 200 Sitzplätzen wäre der Folk-Club auf Dauer nicht überlebensfähig. Denn die Notwendigkeit, in Zukunft Konzertveranstaltungen anzubieten, die eine solche Halle füllen können, würde das Budget des Folk-Clubs bei weitem überschreiten.

Gibt es im Bereich der Villinger Innenstadt überhaupt Orte, an denen der Folk-Club neu ansässig werden könnte?

Natürlich gibt es die. Nicht zu Dutzenden, aber es gibt sie. Beispielsweise das ehemalige „Maison de France“ oder auch ein weiteres Gebäude auf dem Mangin-Areal. Allen diesen Ausweichmöglichkeit ist allerdings gemeinsam, dass ein Umzug sehr teuer werden würde – weitaus teurer als ein Erhalt des Folk-Clubs in der Scheuer. Denn überall würden umfangreiche Renovierungs- oder sogar Umbaumaßnahmen notwendig. Es müsste eine neue technische Einrichtung (Beschallungsanlage) angeschafft werden, Bestuhlung etc. Natürlich auch eine geeignete Schalldämmung, denn auch dort gibt es überall Anwohner. Ob ein Umzug des Folk-Clubs an einen anderen, gänzlich neuen Veranstaltungsort überhaupt finanzierbar wäre, ist derzeit nicht im geringsten abzusehen. Als ungefährer Vergleich für ein solches Projekt bietet sich der Umbau der Zehntscheuer durch die Narrozunft an. Ein Unternehmen, welches über mehrere Jahre mit Hilfe zahlreicher Sponsoren und durch Eigenleistung eines Vereins realisiert wurde, dessen Mitgliederzahl die des Folk-Clubs bei weitem überschreitet.

 

Gibt es denn dann gar keine Möglichkeit, den Folk-Club in der Scheuer zu erhalten?

Doch, auch diese Möglichkeit gibt es. Allerdings nur, wenn sie auch politisch gewollt ist. Selbst wenn wir akzeptieren, dass geeignete Schallschutzmaßnahmen nur durch “Abriss und Neubau der Scheuer“ zu realisieren wären (was wir bezweifeln), wäre dies möglich. Wenn wir auf jene 20% der Konzerte verzichten, welche die Probleme mit dem Nachbarn der Scheuer verursachen, wäre das Konzertprogramm in seinem bisherigen Umfang und seiner Qualität defizitär. Für einen Weiterbestand müsste der jährlich Zuschuss von derzeit knapp 3.000 Euro auf ca. 15.000 bis 20.000 Euro steigen. Umgerechnet auf die einzelnen Veranstaltungen wäre dies allerdings immer noch weniger als der Zuschussbedarf für die meisten der vom städtischen Kulturamt ausgerichteten Veranstaltungen. Dieser Betrag müsste durch eine Erhöhung des städtischen Zuschusses oder durch private Sponsoren aufgebracht werden.

 

Was kann man tun um den Folk-Club zu unterstützen und zu erhalten?

Ob es in Zukunft auch weiterhin einen Folk-Club in Villingen geben wird, ist vor allem auch eine kommunalpolitische Entscheidung. Trotz allem ehrenamtlichen Engagement, Kultur gibt es nicht zum Nulltarif. Wäre dies so, gäbe es hier bereits kommerzielle Anbieter solcher Veranstaltungen.

Auch die Weigerung der städtischen Ämter andere Möglichkeiten als einen Umzug ins Jugendkulturzentrum auch nur in Erwägung zu ziehen, ist eine politische Entscheidung. Nur wenn aus Lippenbekenntnissen und Krokodilstränen konkrete Lösungen werden, hat der Folk-Club eine Zukunft. Helfen Sie mit, diese Entscheidungen zu beeinflussen.

In den vergangenen Wochen haben wir eine überwältigende Resonanz auf unsere Entscheidung, den Betrieb in der Scheuer einzustellen, erfahren. Aus ganz Deutschland, sogar aus dem Ausland erreichten uns Solidaritätsadressen und Zuschriften, die ihr Unverständnis über das mögliche Ende des Folk-Clubs ausdrückten. Mehrere Künstler haben bereits von sich aus angeboten, für Benefiz-Auftritte zum Erhalt des Clubs nach Villingen zu kommen.
Eines ist uns bereits klar geworden – der neue Folk-Club wird anders aussehen als der bisherige. Er wird mehr auf Sponsoren angewiesen sein, er wird eine höhere finanzielle Unterstützung durch die Stadt benötigen. Er kann durchaus auch an einem anderen Ort wieder entstehen. Er darf sich aber nicht so sehr verändern, dass man ihn nicht wiedererkennen kann.

Für weitere kreative Ideen sind wir jederzeit offen.

 

Wie geht es mit dem Folk-Club weiter?

Diese Frage kann zur Zeit niemand beantworten.

 

(Mai 2018)



Endlich ist Ruhe

Pressemitteilung vom 20. April 2018

Zum Ende diesen Jahres wird der Folk-Club seine Veranstaltungen in der Scheuer einstellen. Dies ist keine Entscheidung die uns leicht gefallen ist, aber angesichts der derzeitigen Situation sehen wir keine Möglichkeit für eine Fortsetzung unserer Arbeit in der Scheuer.

Vor über zwei Jahren sind wir an die Öffentlichkeit getreten, weil die Auflage, Konzertveranstaltungen bereits um 22 Uhr zu beenden, uns in unserer Existenz bedroht. Daraufhin haben wir viel Zuspruch und Solidarität erfahren, durch unser Publikum und auch durch die meisten im Gemeinderat unserer Stadt vertretenen Fraktionen. Seitens der Stadtverwaltung wurde uns signalisiert, dass man nach einer Lösung suche. Es wurde angedacht, durch einen Umbau Konzerte ins Jugendhaus zu verlegen. Mehr­mals wurde angekündigt, den Bau einer Lärmschutzwand zum angrenzenden Wohn­gebiet zu prüfen. Nichts davon ist in diesen zwei Jahren passiert. Schließlich beschränkten sich die Be­mühungen der Kommunalverwaltung darauf, uns nahezulegen, mit unseren Veran­staltungen doch in die neu zu bauende Halle am Klosterhof umzu­ziehen. Wir sind jedoch nach wie vor der Meinung, dass Konzertveranstaltungen wie sie der Folk-Club anbietet, in den Kernbereich einer lebenswerten Stadt gehören – ebenso wie beispiels­weise das Theater am Ring, die Tonhalle, die städtische Galerie oder die Kinos. Die Idee, derartige Institutionen vom Stadtzentrum in die Industriegebiete an der Peripherie zu ver­schieben, ist schlichtweg unvorstellbar. Die Forderung, der Folk-Club solle dies tun, zeugt für uns von einem Unverständnis für die Arbeit, die wir in den vergangenen Jahrzehnten geleistet haben.

In der Scheuer enden Konzertveranstaltungen nun seit fast drei Jahren um 22 Uhr. Eine Zeit, zu der solche Veranstaltungen in anderen Städten manchmal erst beginnen. Dies sorgt nicht nur bei unserem Publikum für Unverständnis und Kopfschütteln, sondern auch bei den Künstlern, welche bei uns zu Gast sind. Es gibt kaum noch eine Veranstaltung, bei der dieses Thema nicht auch auf der Bühne angesprochen wird. So widmeten beispiels­weise die beiden kanadischen Liedermacher „Tentrees & Haldane“ in dieser Woche ihre Zugaben den „very special music-lovers on the other side of that wall“ und beendeten dann ihren Auftritt fristgerecht wenige Minuten vor 22 Uhr. Doch leider gelingt das nicht immer so reibungs­los.

Bei einem vom Folk-Club am 23. März diesen Jahres veranstalteten Konzert kam es erstmals seit zwei Jahren zu einer Überschreitung der gesetzten Frist und das Konzert endete erst gegen 22:30 Uhr. Daraufhin wurde uns seitens des Amtes für Jugend, Bildung, Integration und Sport, in dessen Zuständigkeitsbereich die Scheuer fällt, angedroht bei einer erneuten Überschreitung des Zeitrahmens die Nutzung der Scheuer durch den Folk-Club zu untersagen. Dies zeigt uns, dass man seitens der Stadtverwaltung offensichtlich nicht mehr an einer Lösung des Problems arbeitet, oder auch nur Interesse daran hat, sondern dass wir mittlerweile zu einem nur noch lästigen Störfaktor geworden sind. Trotz aller Bemühungen können wir nicht mit 100%-iger Sicherheit ausschließen, das es wieder zu einer Zeitüberschreitung kommen wird. Nächsten Monat, nächstes Jahr, oder auch erst in einigen Jahren. Die Forderung nach einer „nachhaltigen Lösung“ können wir aber nur erfüllen, indem wir den Konzertbetrieb in der Scheuer vollständig einstellen.

Mit der überwältigenden Mehrheit der Anwohner im Bereich der Scheuer pflegen wir ein sehr gutes Verhältnis. Dass die geltende Rechtslage zum Lärmschutz es einer einzelnen Person ermöglicht, eine über Jahrzehnte gewachsene, international anerkannte und ge­schätz­te Kulturinstitution innerhalb kurzer Zeit zu zerstören, ist sicherlich bedenkens­wert und kritikwürdig, juristisch anfechtbar ist es jedoch nicht. Uns ist sehr wohl bewusst, dass hier auch für die kommunale Verwaltung kein Spielraum besteht. Dennoch gäbe es sicher­lich Möglichkeiten, auf anderem Wege Abhilfe zu schaffen, in Form von baulichen Lärm­schutz­maßnahmen oder ähnlichem. Die Position der Stadtverwaltung, dass man hier „leider nichts machen könne“ stellt für uns ein Armutszeugnis dar. In letzter Konsequenz bedeutet es für uns aber nun ebenfalls, dass wir „leider nichts mehr machen können“ – zumindest keine Konzertveranstaltungen in der Scheuer.

Die ehemalige „alte Scheuer“, ein Lagerschuppen im Hinterhof des bestehenden Jugend­hauses Villingen wurde 1976 von den Gründern des Folk-Clubs in Eigenarbeit renoviert um einen Raum zu schaffen für ein Kulturangebot, welches in dieser Form in Villingen-Schwenningen nicht vorhanden war. Bereits wenige Jahre nach seiner Gründung erreichte der Villinger Folk-Club internationale Bekanntheit und Beachtung und wurde zu einer der ersten Adressen für diese Art von Musik in Europa. In den US-amerikanischen Regionen der Bluegrass-Kultur oder der New Yorker Songwriter Szene war Villingen damals bekannter als manche europäische Metropole. Ausländische Gäste oder Künstler waren jedoch immer wieder erstaunt, das es sich beim legendären Villinger Folk-Club nur um eine Hinterhof-Baracke handelte. Nach jahrelangem Kampf erreichte der Folk-Club zu­sam­men mit dem inzwischen hier ebenfalls ansässigen „Kommunalen Kino Guckloch“ 1991 einen Neubau – die heutige Scheuer. Nach 42 Jahren und weit mehr als 1000 Konzertveranstaltungen wird der „Folk-Club Villingen in der Scheuer“ zum Ende diesen Jahres Geschichte sein.

Das Ende unserer Konzerte in der Scheuer bedeutet jedoch keineswegs das Ende des Folk-Clubs. Als eingetragener Verein werden wir weiterhin bestehen bleiben und uns aktiv in die kultur-politischen Diskussionen in Villingen-Schwenningen einbringen. Wir werden weiterhin unserm Vereinsziel treu bleiben, Konzertveranstaltungen in dieser Stadt anzu­bieten. Wenn nicht in der Scheuer, dann an einem anderen geeigneten Ort im Zentrum Villingens. Wir weigern uns zu akzeptieren, dass diese Art von Veranstaltungen in einer Stadt dieser Größe, die sich als „geistig-kulturelles Oberzentrum“ bezeichnet, unmöglich sein sollen. Wir wissen, dass die Entscheidung, den Konzertbetrieb in der Scheuer einzu­stellen und gleichzeitig als Kulturverein weiterhin bestehen zu bleiben, uns vor die größte Herausforderung in unserer über 40-jährigen Geschichte stellt. Wir wissen, dass wir mit dem Ende der Konzerte in der Scheuer eine schmerzliche Lücke bei unserem Publikum hinterlassen und dass die Suche nach einem neuen Veranstaltungsort keine leichte sein wird. Dennoch bleibt uns angesichts der derzeitigen Situation keine andere Wahl. Für uns ist in diesem Moment alles offen und wir sind auf jede Form von Unter­stützung ange­wiesen. Auch eine Rückkehr in die Scheuer schließen wir nicht aus – falls dort durch entsprechende Lärmschutzmaßnahmen auch Veranstaltungen nach 22 Uhr wieder ge­nehmi­gungs­fähig werden. Es gibt in Villingen kaum einen Ort, der besser für uns ge­eig­net wäre als die Scheuer.

2016 wurde in einer von der Stadt in Auftrag gegebenen Studie zur allgemeinen Stadtentwicklung zum Thema Kulturpolitik geschrieben, dass die Stärkung der freien Kulturvereine, die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements im Kulturbereich die Stadtverwaltung finanziell entlasten könne und daher unbedingt zu unterstützen sei. Seitens des Kulturamtes wurde damals dieser Einschätzung energisch widersprochen.

Seither konnten wir feststellen, dass das städtische Kulturamt eine offensive Politik be­treibt, diese Studie zu widerlegen, in dem man zeigt, das die bislang von Vereinen ange­botenen Veranstaltungen ebenso gut vom Kulturamt durchgeführt werden können – und das sogar mit weitaus höherem Budget. Dem „Villinger Sommertheater“ begegnete das Kulturamt im Jubiläumsjahr mit einem eigenen „Bürgertheater VS“. Der Zuschuss­bedarf für diese Veranstaltung dürfte die Kosten für 30 Jahre „Villinger Sommertheater“ bereits einmalig übersteigen. Seit zwei Jahren plant das Kulturamt ein Weltmusik-Festival als Gegen­veranstaltung zum Innenhof-Festival. Die dafür im Etat vorgesehenen 100.000 Euro wurden nicht abgerufen und stehen nun als „Einsparung“ im Haushalts­entwurf der Stadt, weil das Festival bislang nicht realisiert werden konnte. Ein Betrag, mit dem sich gut und gerne mehrere Innenhof-Festi­vals finanzieren ließen. Ein Betrag, der sicher auch gut für den Schallschutz in der Scheuer hätte verwendet werden können.

All dies ist für uns ein deutliches Zeichen, dass es kein Zufall mehr ist, wenn uns die für uns zuständigen Ämter „am ausgestreckten Arm verhungern lassen“. Durch diese und ähn­liche Erfahrungen wissen wir, dass wir seitens der Stadtverwaltung außer Lippen­bekennt­nissen wenig bis gar keine Unterstützung zum Bestehen des Folk-Clubs zu erwarten haben. Die im Kulturamt noch immer bestehende Personalstelle für den Kontakt zu den „freien Kulturvereinen“ wird bereits seit 1996 für andere Aufgaben eingesetzt. Es ist uns klar, dass es einen Folk-Club in Villingen-Schwenningen nur geben kann, wenn er breite Unterstützung außerhalb der kommunalen Verwaltung erfährt. Es ist uns daher eben­falls klar, dass die Entscheidung, den Konzertbetrieb in der Scheuer zu beenden, auch ein gewaltiges Risiko für das Fortbestehen des Folk-Clubs bedeutet. Wir hoffen aber, dass diese Entscheidung auch die Chance für einen Neuanfang an einem anderen Ver­anstaltungs­ort mit sich bringt.

Wir betreiben den Folk-Club rein ehrenamtlich. Anders als bei kommerziellen Veranstaltern bedeutet ein Ende für uns nicht den Verlust unseres persönlichen Lebensunterhalts. Wir können nicht damit argumentieren, dass durch das Verschwinden des Folk-Clubs Arbeits­plätze verloren gehen. Die Arbeit und die Zeit die jedes der aktiven Mitglieder dieses Ver­eins einbringt, geschieht in dem Vertrauen, dass wir damit einen wertvollen und ge­schätz­ten Beitrag zur Lebensqualität in dieser Stadt einbringen.

Einen Veranstaltungsbetrieb wie den unsrigen aufrecht zu erhalten, bedeutet ein gewisses Maß an Vorplanung – und vertragliche Verpflichtungen. Bereits jetzt haben wir Konzert­termine für den Herbst vereinbart, die wir nicht mehr absagen können. Weitere Veran­stal­tungen werden wir aber nicht mehr ansetzen. Erst zum Ende diesen Jahres können wir damit also garantieren:

Ab jetzt herrscht Ruhe in der Scheuer.

 

Folk-Club Villingen e. V.

Für den Vorstand:

Hans-Reinhold Ebers, Richard Hehn



Ein offener Brief an unser Publikum

Gemeinsame Erklärung von Folk-Club, Rock-Club und Guckloch-Kino, März 2016

Das Ende des Konzertbetriebes in der Scheuer droht.

Vor 10 Jahren wurde das Ende der Open-Air-Konzertveranstaltungen beim Innenhof-Festival aus Lärmschutzgründen auf 22:00 Uhr festgelegt. Eine Regelung, die uns vor Probleme gestellt hat, die wir jedoch notgedrungen akzeptiert haben.

Seit Anfang diesen Jahres müssen auch Veranstaltungen im Inneren der Scheuer beendet sein (nicht nur das Konzert – die Veranstaltung insgesamt). Diese Regelung können und wollen wir nicht akzeptieren, da wir durch diese Verordnung in unserer Existenz gefährdet sind.

Sicher, nicht alle Veranstaltungen in der Scheuer sind so laut, dass sie die zulässigen Werte überschreiten und nicht alle dauern länger als 22:00 Uhr. Aber in der Scheuer existieren mehrere Vereine und eine städtische Institution, die alle in einvernehmlichem Zusammenleben Veranstaltungen organisieren und durchführen und so über die Jahre zu einem einzigartigen Mikrokosmos zusammen gewachsen sind. Ein Kahlschlag, auch in Teilbereichen, gefährdet daher unsere Arbeit als Ganzes. Oft sind es in unserer sehr prekären Mischfinanzierung gerade die lauteren und längeren Veranstaltungen, deren Ein nahmen andere defizitäre Konzerte ermöglichen.

Auch wenn dies heute leicht in Vergessenheit gerät – die Scheuer ist kein bloßer x-beliebiger Veranstaltungsraum. Als sie vor 40 Jahren, im Oktober 1976 den Betrieb aufnahm, war aus einem ehemaligen Lagerschuppen durch ehrenamtliche Arbeit ein Konzert- und Veranstaltungsraum geschaffen worden, der zu einem Kristallisationspunkt zahlreicher sozialer und kultureller Initiativen werden sollte – und es auch heute noch ist. Der Villinger Folk-Club ist mittlerweile nicht nur der älteste noch bestehende Club dieser Art, er ist von den zahlreichen, in den 60er und 70er Jahren entstandenen Clubs inzwischen der einzige, der in Deutschland noch so in seiner ursprünglichen Form besteht. Als Zeichen einer gesellschaftlichen Aufbruchsstimmung, die hier vor 40 Jahren herrschte, aber heute zu einer schwinden den Erinnerung zu verblassen droht, sollte er eigentlich unter Denkmalschutz gestellt werden, anstatt mit weiteren Beschränkungen abgewürgt zu werden. Auch der Rock Club und das Kommunale Kino guckloch existieren bereits seit fast 40 Jahren in der Scheuer.

Auch wenn die Scheuer im Bereich eines „Sondernutzungsgebietes“ steht und damit eigentlich – wie auch die Innenstadt, weniger restriktiven Lärmschutzbestimmungen unterworfen ist – durch die unmittelbare Nachbarschaft zu einem Wohngebiet kommen für die Scheuer faktisch die maximal restriktiven Bestimmungen eines reinen Wohngebietes zur Anwendung. Dass unter diesen Auflagen ein Konzertbetrieb in der bisher gewohnten Form nicht möglich ist, dürfte wenig verwundern.

Die Scheuer lebt von der Vielfalt der unterschiedlichen Stilrichtungen und Kunstformen, von einem Nebeneinander von Alt und Jung. Auch wenn es nicht immer Hochkultur ist, was hier geboten wird, ist es doch auch genauso wenig reine Jugendkultur. Durch ihre Geschichte, aber auch durch ihre ungewöhnliche heterogene Organisation sind die Scheuer wie auch das damit verbundene Innenhof-Festival ein einzigartiger Ort, der nur in seiner Gesamtheit bestehen kann. Denn auch wenn das Innenhof-Festival nicht direkt betroffen ist, hat es dennoch nur durch den Bestand aller Scheuer-Vereine eine Zukunft.Wir – die wir durch unsere ehrenamtliche Arbeit diesen Mikrokosmos für Sie alle am Leben erhalten, verstehen uns nicht als reine weisungsgebundene Kulturdienstleiter in einer Stadt deren Kulturleben immer mehr allein von Sparzwängen und unverrückbaren Verordnungen geprägt ist. Wir engagieren uns in der Scheuer und leisten diese Arbeit unentgeltlich, weil dieser Ort für uns eine weitaus höhere Bedeutung hat, als ein reines Service-Unter nehmen im kommerzialisierten Kulturbetrieb zu sein. Auf die Funktion billiger Arbeitskräfte zur Aufrechterhaltung eines untersubventionierten und über reglementierten Veranstaltungsbetriebes für ein zahlen des Publikum wollen wir uns nicht reduzieren lassen.

Wie können Sie uns unterstützen?

Helfen Sie uns, dass die Scheuer nicht still und leise und unbemerkt „aus Sachzwängen“ erlischt.

- Unterstützen Sie unser Anliegen durch Ihre Unterschrift auf den bei Veranstaltungen und im Einzelhandel ausliegenden Listen.

- Schreiben Sie Leserbriefe an die Lokalzeitungen.

- Sprechen Sie Gemeinderäte und Lokalpolitiker an, wenn Sie sie persönlich kennen oder bei öffentlichen Verantaltungen sehen. Oder schreiben Sie ihnen (bei der Recherche der Adressen helfen wir gerne). Fragen Sie, was sie für den Erhalt der Scheuer zu tun gedenken.

Denn nur, wenn uns allen dann ein einhelliges „So sind eben die Bestimmungen. Da kann man nichts machen. Das geht nicht.“ entgegenschallt, wird es so sein, dass eben bald in der Scheuer wirklich nichts mehr geht.

 

Die Vorstände der „Scheuer-Vereine“

Folk-Club Villingen e.V.

Rock Club Villingen

Kommunales Kino guckloch Villingen-Schwenningen e.V.